Geschichte des Punzierens
Der Punzer ist ein historischer Kunsthandwerker der Motive auf das Leder von Bucheinbänden, Pferdesätteln, Taschen, Lederkleidung o. Ä. überträgt. In der Neuzeit rückte dieses Handwerk bei der Serienproduktion in den Hintergrund, da Leder industriell mit Maschinengeprägt werden kann und so preiswerte Massenfertigung möglich ist.
Prinzipiell können alle Lederartikel aus Blankleder mit Punzierungen versehen werden. Dies reicht heute von Handtaschen über Gürtel, Gürteltaschen, Handytaschen, Ipadhüllen, Mousepads, Untersetzer, Knobelbecher, Schmuck etc. bis zu Hundehalsbändern. In der Vergangenheit waren es vor allem Messerscheiden, die speziell angefertigt und personalisiert wurden. Auch in der Biker-Szene werden Ledersitze und Satteltaschen von Harley-Davidson-Motorrädern oft mit sehr aufwendigen Punzierungen ausgestattet. Bei Lederartikeln mit Punzierungen aus Handarbeit handelt es sich in der Regel um kostbare Einzelstücke, die unmittelbar für einen Auftraggeber angefertigt, punziert und vielfach auch mit Namen oder Initialen personalisiert werden.
Punziervorgang
Leder wird mit Punziereisen geprägt, um eine Vertiefung des Musters zu erwirken. Da das Leder elastisch sein muss, können keine chromgegerbten Leder verwendet werden, sondern nur vegetabil (pflanzlich) gegerbte Rindleder. Andere Leder von Schwein, Ziege, Lamm etc. sind zum Punzieren nicht geeignet und werden nur als Futterleder verwendet. Auch das Rindleder muss als Vollleder mit Narben- und Fleischseite vorliegen, bei einem Fettgehalt von 5 bis 10 Prozent nennt man es ;Blankleder; Spaltlederist ungeeignet. Das Punzieren findet immer auf der Narbenseite statt. Nicht alle Partien der Rinderhaut sind gleich gut geeignet. Am besten sind Croupon und Hals, die Flanke (Seite) wird nicht verwendet, da sie zu dehnbar ist. Zum Punzieren sollte das Leder zwischen 2 und 3,5 mm stark sein. 2 mm starkes wird für sehr weiche Taschen und 3–3,5 mm starkes für starke Gürtel verwendet.
Leder ist zu elastisch, um im trockenen Zustand punziert zu werden. Daher muss es zuvor mit Wasser angefeuchtet werden, bis auch die innerste Schicht Wasser aufgenommen hat. Ist die Oberfläche wieder nahezu trocken, kann das Muster mit den Punziereisen in das Leder geprägt werden.
Die zu punzierenden Motive müssen zuerst auf das Leder aufgetragen werden. Dies wird durch das Eindrücken mit einem stumpfen Griffel auf die angefeuchtete Oberfläche erreicht, wodurch dunkle Spuren an den entsprechenden Stellen entstehen. Die Linien werden anschließend in die nasse Oberfläche mit einem Drehmesser (englisch: Swivel Knife) eingeschnitten. Punzieren ist sehr zeitaufwendig, da man das Muster aufzeichnen, einschneiden und in zeitraubender Handarbeit Schlag um Schlag mit diversen Punziereisen in das Leder einschlagen muss.
Nach dem Punzieren des Leders wird es meistens mit diversen Lederbeizen und -farben eingefärbt. Mit dem Auftragen einer speziellen Antikpaste auf die colorierten Flächen kann der Eindruck eines alten Lederartikels erzeugt werden. Zum Schluss werden die Ränder geglättet und gefärbt sowie die Oberfläche meistens noch wasserabweisend versiegelt.
Insbesondere in den USA hat das Punzieren von Leder in der Cowboy- und Reitsportszene bis heute eine große Bedeutung.